Fuchs ein Filmprojekt

Claudia Basrawi, Theaterautorin und Schauspielerin und der Schauspielcoach Mario Mentrup folgen unserem Aufruf: "Kommt nach Staaken!". Ihr erster Eindruck: Staaken gilt es zu entdecken, und hier wollen wir arbeiten! Zusammen mit den Lehrerinnen Frau Köster-Eiserfunke und Frau Rudnitzki entwickeln sie eine Idee. Es soll ein Film entstehen, und der Protagonist soll ein Fuchs sein. Die Schülerinnen und Schüler der Willkommensklasse und der Klasse 7.3 sind begeistert. Die Klasse 7.3. beschließt, einen Ausflug in den Spandauer Forst zu machen und informiert sich in der Revierförsterei vor Ort über den Fuchs.

Der Revierförster Oliver Schuppert entwirft eine kleine Fuchstour und geht mit der Klasse auf Spurensuche. "Die Schülerinnen und Schüler sollen unvoreingenommen den Ausflug erleben, ohne besondere Anweisungen. Hier ist allein Aufmerksamkeit gefragt", sagt Claudia Basrawi.

Dann geht es zurück in die Schule, das eigentliche Projekt kann beginnen. Die Schüler berichten, zu zweit oder in Kleingruppen, den anderen von ihren Erlebnissen im Wald. Sie können zeichnen, darstellen und erzählen, was sie erlebt und gesehen haben. Unter Anleitung von Mario Mentrup lernen sie, Basis-Emotionen mit ihren Gesichtern und Körpern auszudrücken und das Leben von Reineke Fuchs szenisch zu interpretieren. Neben wunderbaren Zeichnungen entsteht ein kurzer Film, der am 6. Juni 2013 Premiere haben wird. Nachtrag des Kulturagenten: "Es wird viel über Kulturelle Bildung geschrieben und geforscht, die Ergebnisse sind nicht eindeutig. Meine Position ist: Projekte Kultureller Bildung stärken den Einzelnen/die Einzelne individuell und legen neue unentdeckte Fähigkeiten frei.

Über kunstanaloges Handeln findet der Umgang mit Uneindeutigkeiten, Umwege, Irritationen, Missgeschicke und Sackgassen den Weg in der Schule. Die Schülerinnen und Schüler beginnen Fragen zu stellen, für die die Antwort noch nicht feststeht. Kreativprojekte setzen Impulse und ermöglichen eine neue, selbstbewusste Selbst- und Welterfahrung. Aus diesen Gründen sind differenzierte, individualisierte Konzepte besonders geeignet für unsere Willkommensklassen, gerade in Verbindung mit dem neuen Sprachbildungskonzept, an dem wir aktuell arbeiten."

 

 

Die Geschichte von Max ein ortsspezifisches Theaterprojekt

Im Zentrum unserer Theaterarbeit steht das Gelände des ehemaligen Georg-Benjamin Krankenhauses in Staaken. 1997 wurde es zum Teil zur Schule umgebaut und zum Teil als Ruine stehen gelassen. Wir besichtigten den Ort, tauchten ein in seine Geschichte, ließen die unterschiedlichen Stimmungen des Geländes auf uns wirken und entwickelten daraus erste Ideen. Die Ruine des alten Krankenhauses hatte auf uns sofort eine magische Wirkung.

Einerseits ist es ein mystischer Ort, den die Natur langsam wieder zurückerobert, anderseits ist es ein verbotener Ort, da das Gelände abgesperrt und das Betreten nicht erlaubt ist. Trotz des Verbots, waren die meisten Schüler/innen bereits auf dem Gelände und wussten viele ungewöhnliche Ereignisse und Erlebnisse zu berichten. Angetrieben von einer Angstlust erzählten wir uns Geschichten und Begegnungen, die sich in diesem Krankenhaus "tatsächlich" ereignet haben sollen.

Alle waren sich einig, dass sich da jemand aufhält. Als aber genauer nachgefragt wurde, wer denn genau da lebt, fielen die Antworten sehr unterschiedlich aus. Diese Uneinigkeit war der ideale Nährboden für unsere Theaterarbeit. Und wir gingen dieser Frage wissenschaftlich auf den Grund. Wir suchten nach Indizien, Spuren und menschliche Lebenszeichen an diesem Ort und deckten eine Geschichte auf, die sich vor rund 60 Jahren tatsächlich hier ereignet hatte: Die Geschichte von Max. Was ist ortsspezifisches Theater?

usgangspunkt jedes ortsspezifischen Theaters ist nicht ein Text oder Thema sondern ein Ort. Man nähert sich dem Ort und setzt sich mit dem historischen oder sozialen Kontext auseinander. Dadurch wird der Ort, an dem gespielt wird zum konstituierenden Faktor der Inszenierung und somit zum Mitspieler.

Ortsspezifisches Theater Hat einen dokumentarischen Ansatz mit bewusst subjektiven Positionen der Spieler Vermischt biografisches Material der Spieler mit dem Ort und seiner Geschichte Spielt mit Fiktionalem und Realem und vermischt die Grenzen zwischen Echtheit und Manipulation fokussiert, verrückt oder schärft die Wahrnehmung der Zuschauer und durchbricht dadurch die alltägliche Wahrnehmungsgewohnheit der Zuschauer. Schafft die Möglichkeit, durch künstlerische (ästhetische) Auseinandersetzung mit einem historischen Ort viel über diesen Ort (soziale, historische, gesellschaftliche Aspekte) zu erfahren.

Florian Oberle (April 2013)